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Was der Medikamentenschrank über unseren Umgang mit Gesundheit verrät

Als Apothekerin Arlett Düker mir vor einigen Tagen erzählte, wie häufig derzeit dieselbe Frage gestellt wird, musste ich unwillkürlich schmunzeln. „Beim Aufräumen habe ich noch etwas gefunden – kann ich das eigentlich noch nehmen?“ Dieser Satz fällt offenbar so regelmäßig, dass man meinen könnte, er gehöre inzwischen zum festen Sommerprogramm jeder Apotheke.

Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter wurde diese Beobachtung. Denn sie zeigt etwas, das weit über die Frage nach einem einzelnen Medikament hinausgeht.

Die meisten Menschen handeln dabei keineswegs leichtsinnig. Im Gegenteil. Sie möchten verantwortungsvoll mit Arzneimitteln umgehen, nichts verschwenden und gleichzeitig vermeiden, sich selbst zu schaden. Genau zwischen diesen beiden Zielen entsteht die Unsicherheit. Das Medikament ist noch da, die Erinnerung an die frühere Erkrankung ebenfalls – aber reicht das aus, um erneut damit zu beginnen?

Aus ärztlicher Sicht lautet die Antwort häufig: Es kommt darauf an.

Nicht jede Halsentzündung ist gleich, nicht jeder Husten hat dieselbe Ursache und nicht jedes Schmerzmittel passt zu jeder Situation. Hinzu kommt, dass sich Medikamente nach dem Öffnen unterschiedlich verhalten. Manche bleiben lange stabil, andere sollten nach einer vergleichsweise kurzen Zeit nicht mehr verwendet werden. Für Patienten ist das kaum zu überblicken – und genau deshalb müssen sie es auch nicht allein entscheiden.

Hier zeigt sich der eigentliche Wert einer guten Zusammenarbeit zwischen Arztpraxis und Apotheke. Während in der Apotheke zunächst geklärt werden kann, um welches Präparat es sich handelt, wie es gelagert wurde und welche Besonderheiten zu beachten sind, ordnen wir in der Praxis anschließend ein, ob dieses Medikament für die aktuelle Erkrankung überhaupt noch die richtige Wahl ist.

Diese beiden Perspektiven ergänzen sich. Sie konkurrieren nicht miteinander.

Vielleicht sollten wir deshalb den Medikamentenschrank künftig mit anderen Augen betrachten. Er ist keine kleine Hausapotheke, die jede gesundheitliche Frage beantwortet. Er ist vielmehr eine Erinnerung an frühere Erkrankungen und frühere Therapien. Ob diese auch heute noch passen, entscheidet sich jedoch immer im aktuellen Zusammenhang.

Genau deshalb freue ich mich über jede Patientin und jeden Patienten, der zunächst fragt, statt einfach zu handeln. Denn gute Medizin beginnt häufig nicht mit einer neuen Therapie, sondern mit einer guten Entscheidung.

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