Medikamente auf Reisen Warum eine gute Reisevorbereitung auch zur Arzneimitteltherapie gehört
Die Sommerferien gehören für viele Menschen zur schönsten Zeit des Jahres. Wochen oder Monate wird die Reise geplant, Hotels werden gebucht, Ausflüge organisiert und Kofferlisten geschrieben. Gleichzeitig verändert sich während des Urlaubs häufig der gewohnte Tagesablauf – und genau das betrifft auch die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln.
Aus pharmazeutischer Sicht beginnt eine sichere Arzneimitteltherapie deshalb nicht erst am Urlaubsort, sondern bereits bei der Reisevorbereitung.
Besondere Aufmerksamkeit verdient zunächst die Lagerung. Für die meisten Arzneimittel gelten Temperaturen bis 25 °C oder 30 °C als unproblematisch. Diese Angaben beziehen sich jedoch auf die Lagerung unter normalen Bedingungen und nicht auf die Temperaturen, die in einem abgestellten Fahrzeug oder einem Koffer in direkter Sonneneinstrahlung entstehen können. Bereits nach kurzer Zeit können dort Temperaturen erreicht werden, die deutlich oberhalb der empfohlenen Lagerbedingungen liegen.
Während viele feste Arzneiformen kurzfristige Temperaturschwankungen vergleichsweise gut tolerieren, reagieren andere Präparate wesentlich empfindlicher. Hierzu zählen beispielsweise Insuline, zahlreiche Biologika sowie verschiedene flüssige Arzneimittel. Bei ihnen kann eine zu hohe Temperatur die Stabilität des Wirkstoffes beeinträchtigen. Deshalb sollten kühlpflichtige Medikamente entsprechend den Herstellerempfehlungen transportiert werden. Wichtig ist dabei allerdings, dass Kühlakkus Arzneimittel nicht direkt berühren, um ein unbeabsichtigtes Einfrieren zu vermeiden.
Neben der Temperatur spielt auch die Organisation der Reise eine wichtige Rolle. Patienten mit einer Dauermedikation sollten ihre Arzneimittel grundsätzlich in ausreichender Menge mitführen und eine Reserve für unvorhergesehene Verzögerungen einplanen. Insbesondere bei Flugreisen empfiehlt sich der Transport wichtiger Medikamente im Handgepäck, damit eine Therapie auch dann fortgesetzt werden kann, wenn das Aufgabegepäck verspätet eintrifft oder verloren geht.
Darüber hinaus können Originalverpackungen und Beipackzettel hilfreich sein, um Arzneimittel eindeutig zu identifizieren. Bei bestimmten verschreibungspflichtigen Präparaten oder Betäubungsmitteln können je nach Reiseland zusätzliche Bescheinigungen erforderlich sein. Eine rechtzeitige Information vor Reisebeginn ist deshalb sinnvoll.
Auch Zeitverschiebungen sollten bei einzelnen Medikamenten berücksichtigt werden. Während bei vielen Arzneimitteln geringe Abweichungen problemlos möglich sind, erfordern beispielsweise Insulintherapien oder bestimmte chronische Behandlungen unter Umständen eine individuelle Anpassung des Einnahmeplans. Eine frühzeitige Beratung durch Arzt oder Apotheke kann hierbei helfen.
Die meisten Schwierigkeiten entstehen jedoch nicht durch außergewöhnliche Situationen, sondern durch kleine organisatorische Versäumnisse. Ein vergessenes Medikament, eine unzureichende Vorratsmenge oder eine ungeeignete Lagerung lassen sich mit wenig Aufwand vermeiden.
Gerade deshalb gehört die Reiseberatung zunehmend zu den Aufgaben öffentlicher Apotheken. Sie ergänzt die eigentliche Arzneimitteltherapie um einen Aspekt, der im Alltag häufig unterschätzt wird: die sichere Anwendung auch außerhalb der gewohnten Umgebung.
Eine gute Reise beginnt mit einer guten Planung. Für Patienten mit einer Dauermedikation gilt dies in besonderem Maße. Denn die Wirksamkeit eines Arzneimittels hängt nicht nur vom richtigen Wirkstoff ab, sondern ebenso davon, dass er unter geeigneten Bedingungen transportiert, gelagert und angewendet wird.
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